Die Dollar-Stärke kehrt zurück, während sich der Öl-Schock ausbreitet

Der US-Dollar gewinnt wieder an Stärke, da sich ein Öl-Schock über die globalen Märkte ausbreitet. Steigende Spannungen in der Nähe der Straße von Hormus haben die Rohölpreise deutlich nach oben getrieben, was Inflationssorgen neu entfacht und Risikoanlagen verunsichert. Mit steigenden Energiepreisen wenden sich Anleger zunehmend der Liquidität der US-Währung zu, was den US Dollar Index gegenüber vielen wichtigen und Schwellenländerwährungen steigen lässt.
Berichte großer Nachrichtenagenturen zeigen, dass Rohöl angesichts von Tanker-Zwischenfällen und Ängsten vor Lieferunterbrechungen über die Marke von 100 USD gestiegen ist. Mit zunehmender Volatilität scheint der Markt die traditionelle Rolle des Dollars als sicherer Hafen in Zeiten globaler Spannungen wiederherzustellen.
Der Dollar baut seine Safe-Haven-Prämie wieder auf
In der frühen Phase des Konflikts bewegten sich die Märkte uneinheitlich, da Händler die Möglichkeit einer schnellen Deeskalation gegen das Risiko einer umfassenderen regionalen Krise abwogen. In den vergangenen zwei Wochen hat sich das Narrativ jedoch in Richtung eines potenziell anhaltenderen makroökonomischen Schocks verschoben.
Nachrichten berichten, dass der Dollar gegenüber einer breiten Palette von Währungen gestärkt hat, da Anleger Carry Trades auflösen und ihre Allokationen in US-Geldmarktfonds und kurzfristige Treasuries erhöhen.
Strategen mehrerer globaler Banken nennen zwei strukturelle Faktoren, die die Währung stützen.
Erstens sind die Vereinigten Staaten inzwischen Nettoenergieexporteur. Eine anhaltende Öl-Rallye schadet daher der US-Wirtschaft weniger als großen Importeuren wie Europa oder Japan.
Zweitens bergen höhere Energiepreise das Risiko, die globale Inflation auf erhöhtem Niveau zu halten. Sollte sich die Inflation als hartnäckig erweisen, könnten Zentralbanken Zinssenkungen hinauszögern. Dieser Ausblick könnte die US-Renditen im Vergleich zu anderen Industrieländern hoch halten und die Nachfrage nach dem Dollar verstärken.
USD/JPY nähert sich Interventionsbereich
Wenige Währungspaare spiegeln diese Kräfte so deutlich wider wie USD/JPY.
Der Yen hat sich abgeschwächt, da die Ölpreise steigen und die US-Renditen klettern, wodurch das Paar wieder in den hohen 150er-Bereich getrieben wird. Damit nähert sich der Wechselkurs der 160er-Marke, die 2024 bereits groß angelegte Interventionen der japanischen Behörden ausgelöst hatte.
Analysten berichten, dass die Behörden in Tokio ihre Warnungen vor übermäßigen Währungsbewegungen verstärkt haben, ohne jedoch sofortige Maßnahmen anzudeuten.
Japans Verwundbarkeit rührt zum Teil von seiner Energieabhängigkeit her. Das Land importiert den Großteil seines Brennstoffs, viel davon über Schifffahrtsrouten im Golf. Steigende Ölpreise erhöhen die Importkosten und steigern die Nachfrage nach Dollar zur Bezahlung der Energieimporte.
Mehrere Analysten bezeichnen dies als negativen Terms-of-Trade-Schock für Japan. Gleichzeitig bleiben die Zinsdifferenzen groß. Die Bank of Japan hat erst allmählich mit der Normalisierung der Geldpolitik begonnen, während die US-Zinsen vergleichsweise hoch bleiben.
Diese Lücke stützt weiterhin Carry Trades, bei denen Anleger in Yen aufnehmen und in höher verzinsliche Dollar-Anlagen investieren.
Interventionsrisiko erhöht die Volatilität
Trotz der makroökonomischen Faktoren, die USD/JPY stützen, bleibt die Gefahr einer Intervention ein zentrales Risiko.
Wenn der Wechselkurs sich zu schnell den früheren Interventionsniveaus nähert oder diese überschreitet, könnte das japanische Finanzministerium am Markt eingreifen. Frühere Interventionen haben zu starken Umkehrbewegungen im Paar geführt, selbst wenn die allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen weiterhin für einen stärkeren Dollar sprachen.
Von Marktkommentatoren zitierte Optionsmarktdaten deuten darauf hin, dass Händler sich zunehmend gegen dieses Szenario absichern. Die Nachfrage nach Schutz vor plötzlicher Yen-Stärke ist gestiegen, was das Risiko abrupter Bewegungen bei einem Eingreifen der Behörden widerspiegelt.
Druck breitet sich auf globale Märkte aus
Der stärkere Dollar beeinflusst auch andere Teile des Finanzsystems.
Risikosensitive Währungen wie der australische Dollar und mehrere Schwellenländerwährungen haben sich abgeschwächt, da Anleger ihr Engagement in wachstumsabhängigen Anlagen reduzieren. Auch der Euro hatte Mühe, Gewinne zu halten, da die Sorge besteht, dass die Eurozone stark von steigenden Energiekosten betroffen bleibt.
Gold legte zunächst zu, als die Spannungen eskalierten, was die Nachfrage nach traditionellen sicheren Häfen widerspiegelt. Zuletzt hatte das Edelmetall jedoch Schwierigkeiten, diese Gewinne auszubauen.
Experten weisen darauf hin, dass höhere Realrenditen und ein stärkerer Dollar das Aufwärtspotenzial von Gold begrenzen, da Anleger in Bargeld und kurzfristige Treasuries mit attraktiven Renditen umschichten.
Auch die Aktienmärkte reagierten vorsichtig. Globale Indizes haben einen Teil ihrer früheren Gewinne wieder abgegeben, da Anleger den Ausblick für Wachstum, Inflation und Zinspolitik neu bewerten.
Worauf die Märkte als Nächstes achten
Positionsdaten deuten darauf hin, dass Anleger ihre Long-Dollar-Positionen rasch wieder aufgebaut haben. Zuflüsse in Geldmarktfonds und Treasury-Wertpapiere haben zugenommen, da Händler Liquidität priorisieren.
Marktteilnehmer konzentrieren sich nun auf drei Entwicklungen: den Verlauf des Iran-Konflikts, die Auswirkungen höherer Energiepreise auf die Inflationsdaten und die Reaktion der japanischen Behörden, falls USD/JPY frühere Interventionsniveaus erreicht.
Vorerst stützen hohe Ölpreise, anhaltende Inflationsrisiken und große Zinsdifferenzen den Dollar weiterhin. Doch angesichts hoher geopolitischer Spannungen und zunehmender Interventionsrisiken könnten die Währungsmärkte in den kommenden Wochen volatil bleiben.
Die angegebenen Wertentwicklungen beziehen sich auf die Vergangenheit. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse und keine Garantie für zukünftige Wertentwicklung.