Bitcoin steht vor entscheidender Bewährungsprobe, da Verkaufsdruck nachlässt

Bitcoin ist in den letzten 24 Stunden um etwas mehr als 1 % gefallen, doch die eigentliche Geschichte spielt sich unter der Oberfläche ab. Am Wochenende stand der Kurs haarscharf davor, einen bärischen Ausbruch nahe 86.000 $ zu bestätigen, bevor er sich erholte. Dadurch befindet sich der Markt in einer fragilen Warteschleife statt in einer klaren Erholung.
Diese Erholung fiel mit einer deutlichen Verlangsamung der On-Chain-Verkäufe zusammen, doch die institutionelle Nachfrage bleibt auffallend aus. US-Spot-Bitcoin-ETFs haben seit Mitte Januar mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar verloren, während die globalen Märkte auf das nächste Zinssignal der Federal Reserve warten. Da die Volatilität über verschiedene Anlageklassen hinweg steigt, nähert sich Bitcoin nun einem Moment, der seine kurzfristige Richtung bestimmen könnte.
Was treibt Bitcoin an?
Die jüngste Bewegung von Bitcoin wurde durch eine technische Struktur geprägt, die sich seit Wochen leise aufgebaut hat. Im Tageschart bleibt BTC innerhalb einer Kopf-Schulter-Formation, einer Formation, die bei Bestätigung häufig Trendwenden ankündigt.

Während der Rebound einen unmittelbaren Ausbruch nach unten verhinderte, bleibt die Struktur selbst intakt und hält das Abwärtsrisiko am Leben.
Was sich am Wochenende änderte, war die Intensität der Verkäufe. On-Chain-Daten zeigen einen starken Rückgang der Coin-Bewegungen über alle Haltezeitalter hinweg. Die Spent Coins Age Band-Metrik fiel von etwa 27.000 auf knapp unter 7.700 – ein Rückgang von mehr als 70 %.

Wenn weniger Coins bewegt werden, verkaufen weniger Halter aktiv, und dieser Rückgang des Angebotsdrucks erklärt, warum sich Bitcoin stabilisierte, anstatt direkt durch die Unterstützung zu fallen. Dennoch führt ein nachlassender Verkaufsdruck nicht automatisch zu einer erneuten Nachfrage.
Warum das wichtig ist
Das fehlende Puzzlestück ist die institutionelle Beteiligung, und ETF-Flows machen diese Lücke schwer zu ignorieren. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichnen nun mehrere aufeinanderfolgende Sitzungen mit Nettoabflüssen, wobei allein am 23. Januar mehr als 100 Millionen US-Dollar aus den Produkten abgezogen wurden und in der vergangenen Woche rund 1,33 Milliarden US-Dollar abgeflossen sind.

Diese Fonds sind zu einem wichtigen Einstiegskanal für große Portfolios geworden, weshalb ihr Verhalten laut Analysten ein entscheidender Gradmesser für Überzeugung ist.
Analysten warnen, dass Kursanstiege ohne Unterstützung durch ETF-Zuflüsse oft schwer zu verlängern sind. Matt Hougan, CIO von Bitwise, hat darauf hingewiesen, dass anhaltende Rückgaben in der Regel darauf hindeuten, dass Hedgefonds sich aus dem Bitcoin-Basis-Trade zurückziehen, da die Renditen schrumpfen. Daten von Amberdata zeigen, dass diese Renditen unter 5 % gefallen sind – ein starker Rückgang gegenüber etwa 17 % vor einem Jahr – und damit den Anreiz für institutionelle Positionierungen verringern.
Auswirkungen auf den Kryptomarkt
Bitcoins Zögern hat sich auf den breiteren Kryptomarkt ausgewirkt. Ether fiel in den letzten 24 Stunden um mehr als 7 % und rutschte erstmals seit Anfang Januar wieder unter die Marke von 3.000 $. Altcoins schnitten noch schlechter ab, da Kapital trotz der eigenen Schwäche defensiv in Bitcoin umgeschichtet wurde. Infolgedessen ist die Bitcoin-Dominanz auf fast 60 % gestiegen, was verdeutlicht, wie Risikoaversion dazu neigt, Liquidität im größten Asset zu bündeln.
Diese defensive Verschiebung spiegelt Bewegungen an den traditionellen Märkten wider. Globale Aktienmärkte schwächten sich ab, da der japanische Staatsanleihenmarkt Anzeichen von Stress zeigte und erneute US-Zolldrohungen die Stimmung belasteten. Der Nasdaq fiel um fast 2 %, während der DAX in Deutschland um mehr als 1 % nachgab. Im Gegensatz dazu stiegen traditionelle sichere Häfen stark an: Gold legte um mehr als 3 % zu und Silber stieg um 7 % auf neue Rekordhöhen. In diesem Umfeld wurde Krypto klar als Risiko-Asset und nicht als Absicherung gehandelt.
Expertenausblick
Der unmittelbare Fokus richtet sich nun auf die Makropolitik. Es wird erwartet, dass die Federal Reserve die Zinssätze auf ihrer Januarsitzung unverändert lässt, wobei CME FedWatch die Wahrscheinlichkeit einer Senkung auf unter 3 % beziffert.

Stattdessen werden die Märkte die Pressekonferenz von Chair Jerome Powell genau beobachten, um auf mögliche Tonveränderungen zu achten – insbesondere nachdem Verzögerungen bei wichtigen US-BIP- und Konsumdaten die Wachstumsaussichten unsicherer gemacht haben.
Für Trader bleiben ETF-Flows das wichtigste kurzfristige Signal. „Die Volatilität ist zurück, und Bitcoin bewegt sich wieder im Einklang mit Risiko-Assets“, sagte Paul Howard von der Handelsfirma Wincent und fügte hinzu, dass Altcoins wahrscheinlich weiter unter Druck bleiben, falls der makroökonomische Stress anhält. Ein nachhaltiger Anstieg über 90.000 $ könnte die Stimmung stabilisieren, aber ein Scheitern, dieses Niveau zurückzuerobern, würde Bitcoin einem weiteren Test der Unterstützung aussetzen.
Fazit
Der jüngste Anstieg von Bitcoin spiegelt einen nachlassenden Verkaufsdruck wider, nicht aber eine klare Rückkehr der Käufer. Da ETF-Abflüsse anhalten und makroökonomische Risiken zunehmen, tritt der Markt in eine entscheidende Phase ein. Wie Bitcoin sich an den Schlüsselmarken verhält – zusammen mit Signalen der Federal Reserve und den täglichen ETF-Flows – wird die nächste Bewegung bestimmen. Für den Moment bleibt die Stabilität eher bedingt als gesichert.
Bitcoin: Technischer Ausblick
Bitcoin konsolidiert weiterhin nach der vorherigen Korrektur von den Höchstständen, wobei der Kurs innerhalb einer breiten Spanne bleibt und unterhalb des mittleren Bereichs der Bollinger-Bänder handelt. Die Bänder haben sich im Vergleich zu früheren Perioden verengt, was auf eine geringere Volatilität und eine Verlangsamung des Richtungsimpulses hindeutet.
Momentum-Indikatoren spiegeln diese Stabilisierungsphase wider: Der RSI steigt allmählich, bleibt aber unterhalb der Mittellinie, was auf eine gedämpfte Aufwärtsdynamik im Vergleich zu früheren Phasen hindeutet. Die Trendstärke bleibt erhöht, wie ein hoher ADX-Wert zeigt, obwohl die Richtungsindikatoren darauf hindeuten, dass der Trend nicht mehr beschleunigt.
Strukturell schwankt der Kurs weiterhin zwischen den zuvor etablierten Zonen um 84.700 $ auf der Unterseite und den ehemaligen Widerstandsbereichen nahe 104.000 $ und 114.000 $ auf der Oberseite, was ein Marktumfeld hervorhebt, das von Ausgewogenheit statt aktiver Preisfindung geprägt ist.

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